Dell will EMC kaufen – aber wozu eigentlich

Große Bewegungen bringen große Aktionen: Der IT-Markt verändert sich schnell und das schärft das Bewusstsein der großen Anbieter, sich eben so schnell zu verändern. Weil das aus eigener Kraft nicht immer ganz gut funktioniert, kauft man zu. Für viel Geld und reichlich VMware Aktien will Dell EMC übernehmen.

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Andreas Raum

Dienstag, 13. Okt. 2015

Aus aktuellem Anlass muss Teil VII der Serie über die Zukunft der Distribution noch eine Woche warten. Wenn Dell EMC kaufen will, ist das schon einige Gedanken wert.

Der Hardwaremarkt ist erheblich unter Druck: Auch in diesem Jahr werden erheblich weniger PCs verkauft. Die Lagerbestände sind hoch, die Preise verfallen.

Auch der Servermarkt, den ein großer Anbieter weltweit dominiert, verändert sich. Eine Veränderung, der das gesamte Segment IT-Infrastruktur unterliegt: Immer mehr Unternehmen beziehen IT als Service aus Rechenzentren großer (Amazon, Google, HP, IBM, Microsoft oder Equinix) oder kleiner (Wortmann) Anbieter.

Ein Unternehmen, das von all diesen Veränderungen massiv betroffen ist, ist Dell. Der PC-Hersteller versucht seit Jahren, die Verwandlung zum Infrastruktur-Anbieter hinzubekommen. Als börsengelistetes Unternehmen mit mäßigem Erfolg und inzwischen in privater Hand (Investoren Michael Dell und Silver Lake Partners).

EMC ist Marktführer im wachsenden Storagemarkt. Das Unternehmen versucht seit mindestens einem Jahrzehnt den Schwung des Storagegeschäfts zu nutzen und sich als IT-Anbieter zu positionieren. Dazu hat man eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Firmen zugekauft: Documentum (Dokumentenmanagement), RSA (Security), Pivotal (Big Data Analysis) und ein Mehrheitsanteil an VMware (Virtualisierungssoftware), um nur einmal die prominentesten zu nennen. Tatsächlich ist es EMC nie gelungen, alle Unternehmen zu integrieren und Synergie-Effekte zu heben. Statt von einem Unternehmen spricht EMC von einer Föderation unabhängiger Firmen (zum Beispiel in diesem hochinteressanten Interview ((http://recode.net/2015/10/05/emcs-david-goulden-defends-companys-federation-structure-full-video/)) mit David Goulden, CEO der Information Infrastructure Division bei EMC).

Und tatsächlich lebt EMC nach wie vor vom klassischen Storagegeschäft: vier von 4,485 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet Information Storage (die Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht Q2-2015). Selbst die 80 Prozent Beteiligung VMware trägt mit 1,588 Milliarden Dollar Umsatz deutlich mehr zum Geschäft bei als die anderen Abteilungen kombiniert.

Aus mehreren Gründen ist EMC, obwohl Marktführer und weiter auf Wachstumskurs, unter Druck: Weil sich der Speichermarkt rapide entwickelt und neue Technologien vor der Marktreife stehen (zu nennen wäre hier vor allem die von HP entwickelte Memristor Technologie), weil sich ein sehr aktiver Hedge Fund mit zwei Prozent eingekauft hat und Druck auf das Management ausübt und vielleicht auch weil EMC Langzeit CEO Joe Tucci kurz vor dem Ruhestand die Dinge geregelt haben möchte. Vor allem aber, weil sich der Hardwaremarkt verändert und es wichtig ist, Antworten zu finden, die ein großes Unternehmen tragen und transformieren können.

Ein halbes Jahr habe EMC mit HP verhandelt, berichten amerikanische Medien (eine sehr schöne Zusammenfassung der Ereignisse hat mein Kollege Arik Hesseldahl bei re/code verfasst). Die blieben allerdings ohne Ergebnis. Jetzt kommt also Dell.

Für Dell wäre die Übernahme ein großer Schritt in Richtung ganzheitlicher IT-Anbieter, raus aus der Abhängigkeit vom PC-Geschäft. Es wäre ein sehr teuerer Schritt. So teuer, dass Dell das wertvollste und am meisten auf die Zukunft ausgerichtete, was EMC besitzt, den VMware Anteil, im Zug der Übernahme veräußern müsste. Löst die Übernahme Dells Probleme? Ich glaube nicht, denn Michael Dell und seine Partner kaufen auf Pump letztlich mehr vom selben. Das verschiebt die Antwort auf die anstehenden Veränderungen des Marktes. Irgendwann werden sie die geben müssen, um langfristig bestehen zu können.