Drucker, wollt Ihr ewig leben

Können Sie sich an das Rattern von Nadeldruckern erinnern? An Endlos-Computerpapier mit grünen Streifen oder bedruckt mit Unternehmenslogo und Briefkopf für offizielle Kommunikation? Das ist lange her, war aber doch erst gestern.

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Andreas Raum

Montag, 27. Juni 2016

„Die Auftragsbestätigung kommt sofort“, sagt der Herr im schwarzen Polohemd und blauer Arbeitshose und klickt mit der Maus auf dem Bildschirm. Während er meinen Autoschlüssel in eine Plastikfolie steckt, setzt hinter ihm ein surrendes Geräusch ein, das vertraut klingt aber doch auch fremdartig deplatziert. Auf dem Schrank hinter dem Mechaniker, der mein Auto zur Inspektion entgegen nimmt rattert ein Nadeldrucker (eigentlich rattert er nicht wirklich. Das Geräusch ist schwer zu beschreiben und für Nostalgiker hier nachzuhören meinen Auftrag auf Endlospapier – das Mehrzweckformular des Autohauses – das sich vor dem Drucker auf dem Boden stapelt.

Ich schaue mich um und entdecke spontan noch drei weitere Nadeldrucker, vermutlich Marke Epson. Jeder Beraterarbeitsplatz hat einen. Aber hinter der Infotheke werde ich später zwei weitere Maschinen entdecken. Das nicht minder charakteristische Ratschen, mit dem der Mechaniker den perforierten Führungslochrand abreißt, holt mich aus meinen Gedanken zurück. Er reicht mir den mittleren Durchschlag: „Ihre Bestätigung und gleichzeitig der Abholschein. Bitte zum Abholen wieder mitbringen.“ Den Ausdruck und die verbliebene Kopie klemmt er auf ein Klemmbrett. Das kommt in mein Auto, damit die Werkstatt weiß, was zu tun ist. Hat die Werkstatt den Auftrag abgearbeitet, wird aus dem Auftrag die Rechnung. Ausdruck auf dem Nadeldrucker mit zwei Durchschlägen. Das Original und ein Durchschlag für meine Unterlagen, einer für das Archiv des Autohauses.

Der Prozess ist eingespielt. Bereits bei Auftragsannahme fragt der Mechaniker die Zahlungsart ab, die für mich erstaunlich, nicht in der Datenbank hinterlegt ist. Sein Kollege aus dem Backoffice kennt die Kunden, hat deren Eckdaten im Kopf und bestätigt auf kurze Nachfrage: „Ja, das geht immer auf Rechnung.“

So weit zum Stand der Digitalisierung in Deutschland 2016.

„Wenn jemand sehr viel druckt, dann ist Nadeldruck noch immer am günstigsten“, erklärt der befreundete Systemhauschef auf Nachfrage. Die Frage der Durchschläge sei längst gelöst. Aber auch einige Anwendungen machten den Einsatz noch heute zwingend. Zum Beispiel akzeptieren Krankenkassen Überweisungen nur auf bestimmten Formularen und die könnten nur per Nadeldruck bedruckt werden. Und auch einige Druckmedien seien nur per Nadeldruck zu verwenden.

Allerdings gäbe es gerade noch zwei Hersteller von Nadeldruckern: Epson und Oki. Die Installation im Autohaus basiert augenscheinlich auf Epson-Geräten.

So und jetzt werde ich dann meinen genadeldruckten Abholschein einstecken und mich auf den Weg zum Autohaus machen. Vielleicht frage ich bei Gelegenheit, was sie eigentlich von dieser Digitalisierung halten.

Bildquelle(n): Andreas Raum /