Evolution für Anfänger – oder Über den Umgang mit Veränderung

Die meisten Menschen ängstigen sich vor Veränderungen. Davon profitieren in erster Linie Berater und (selbsternannte) Experten. In diesem Frühling gibt es ein fast unüberschaubares Angebot an Konferenzen, Tagungen und Seminaren zu den Hype-Themen Digitalisierung, Transformationen, Industrie 4.0 und IoT, aber auch reichlich Wissenstransferangebote zur neuen „Customer Journey“. Unsicherheit schafft Umsatz.

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Andreas Raum

Freitag, 06. Mai 2016

Zwischen Untergangsvisionen und Großmannssucht („Der deutsche Mittelstand gerät ins Abseits“ vs. „Deutschland wird zu Leitnation für Industrie 4.0 und Sicherheit in der digitalisierten Welt“) geht es vielen Entscheidern derzeit offenkundig so, wie es Gregor Bieler vor einigen Monaten im Microsoft-Blog beschrieben hat: „Wer wie das Kaninchen auf die Schlange auf die digitale Umwälzung starrt, hat schon jetzt verloren.“

Pragmatismus ist gefragt, denn an Pragmatikern prallen Schreckensszenarien ebenso ab wie die Phrasen der Politik und Berater. „Als wäre Digitalisierung etwas wirklich Neues. Wir sind schon lange 4.0“, mokierte sich neulich ein Maschinenbauer am Biertisch. „Wir rationalisieren mit Hilfe technischer Lösungen, steigern die Effizienz und schauen auf Wettbewerbsfähigkeit...“. Das sehen die allermeisten Zulieferbetriebe der deutschen Automobilbranche vermutlich ganz ähnlich. Denn bei ihnen gehören Vernetzung, Prozessoptimierung oder automatisiertes Supply Chain-Management bereits seit etlichen Jahren zum Alltag.

Tatsächlich ist die große Umwälzung, von der jetzt alle reden, schon längst im Gange. Ihren Anfang nahm sie, als massive Rechenleistung auch für kleinere Unternehmen erschwinglich wurde. Wir erinnern uns: Früher hat es sich nur ein kleiner Teil der Wirtschaft und Industrie leisten können, mit leistungsstarken Prozessoren und Storage zu arbeiten. Und mit proprietären Lösungen, die für effizientes Tagesgeschäft oft zu komplex waren und von den Mitarbeitern nur zähneknirschend oder gar nicht eingesetzt wurden.

Inzwischen ist Rechen- und Speicherkapazität günstig und breit verfügbar und das Diktat der IT-Verantwortlichen ist zugunsten der Fachabteilungen gebrochen. Nützliche, ehemals kaum erschwingliche Anwendungen (z.B. Videokonferenzen, Kollaboration, CRM, CAD...) sind in der sogenannten Cloud verfügbar, dank intuitiven Oberflächen endlich auch einfach zu handhaben und je nach Bedarf sogar kostenlos.

Keine Frage, dass große Entwicklungen im Gange sind und sich die Welt verändert. Aber neu, überraschend oder gar revolutionär ist die digitale Transformation nur für diejenigen, die in den letzten 10 Jahren nicht hingeschaut haben – oder einfach nicht begriffen haben, was Digitalisierung mit ITK zu tun hat.

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