IoT : Das Rennen um die Zukunft läuft weiter

Industrielle Cloud-Lösungen und umfassende Vernetzung im IoT (Internet of Things) versprechen gutes Geschäft. Der Wettbewerb um Innovationsführerschaft, Deutungshoheit und künftige Dominanz hat nach den Politikern inzwischen nun auch deutsche Traditionsunternehmen erreicht. freyraum war bei der Eröffung des neuen Siemens „Mindsphere Open Space“ in Berlin.

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Andrea van Baal

Donnerstag, 25. Jan. 2018

In der an Innovation-Labs und -Hubs nicht eben armen Bundeshauptstadt gibt es seit dieser Woche noch einen StartUp-Campus, der den gewaltigen Themenkomplexen IoT und Industrie 4.0 gewidmet ist. Die jüngste Austragungsfläche für die anvisierte Zusammenarbeit zwischen etablierten Technologieunternehmen, Entwicklern und StartUps sind 13.000 Quadratmeter in einem ehemaligen Agfa-Fabrikgebäude am Ostende des Görlitzer Parks, das nun unter Factory 2 firmiert. Einen großen Teil der schicken Kreativ-, Kommunikations- und Chill-Räumlichkeiten belegt Siemens mit seinem neuen „Mindsphere Open Space“. Hier sollen die Mitglieder der am 23. Januar offiziell vorgestellten Anwenderorganisation Mindsphere World“ künftig ihre Anwendungen, Geschäftsmodelle, Services und neuen Märkte voranbringen.

Die 19 Gründungsmitglieder sind allesamt deutsche Industrieunternehmen, vor allem aus dem Maschinen- und Anlagenbau und Ausrüster der Elektroindustrie, darunter so bekannte Größen wie KUKA, (Roboter), Trumpf (Werkzeugmaschinen), Rittal (Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur), Festo (Automatisierung) und Sick (Lackieranlagen). Ihr Ziel: "Wir wollen mit einer Community von Industrie- und IT-Unternehmen jeder Größe und Branche sowie Start-Ups weltweit ein Ökosystem basierend auf MindSphere etablieren und vorantreiben“, so Jan Mrosik, Vorstandsvorsitzender von MindSphere World und CEO der Siemens-Division Digital Factory.

Offenbar will der Anwenderverein die Entwicklung von Apps für Industrieanwendungen erst einmal in Deutschland fördern, hat aber auch die internationaler Ebene im Blick. Eigenem Bekunden zufolge will MindSphere World die Anforderungen und die Spielregeln für IoT-Anwendungen und Datennutzung definieren und die Siemens-Plattform zu einer Art Android-OS für die Industrie machen. "Für den Aufbau eines weltweiten Ökosystems spielt die Entwicklung von Standards eine entscheidende Rolle. Daher werden die Mitglieder von MindSphere World gemeinsam Empfehlungen für Standards für MindSphere-basierte Anwendungen erarbeiten. Zudem werden wir Lösungsvorschläge erstellen, um die Interoperabilität zwischen verschiedenen MindSphere-basierten Lösungen zu ermöglichen", sagte Andreas Oroszi, Mitglied des Vorstands von MindSphere World und Senior Vice President Digital Business von Festo.

In wieweit die IoT-Plattform von Siemens und angestrebten Standards auch eine Harmonisierung vernetzter Anlagen, Prozesse und Geräte von Drittanbietern ermöglichen werden, bleibt also erst einmal abzuwarten. Angesichts der zahlreichen IoT-Allianzen und -Ansätze (von Bosch, Cisco und Huawei bis hin zu SAP) ist Konsolidierung ohnehin eine reine Frage der Zeit.

freyraum Prognose: Von all jenen, die sich aktuell im Rennen um IoT-Dominanz befinden, wird mittelfristig maximal eine Handvoll übrigbleiben. Angesichts veränderter Kundenerwartungen und des voraussehbar fortgesetzten Niedergangs proprietärer Lösungen werden Lieferanten der Industrie allein schon aus Gründen der Wertschöpfung auf Standards und Plattformen wechseln müssen, die tatsächlich offen sind. Durchgängige Konnektivität, Skalierbarkeit und Security sind nun einmal Voraussetzung für ein rund laufendes IoT, zumindest nach heutigem Kenntnisstand. Plug&Play ist ein hehres Ziel, aber dass kompetente Industrie-Systemintegratoren so bald keinen Mangel an Arbeit und Umsatz haben werden, ist einfach die sicherere Wette.

Bildquelle(n): Siemens /