Der PC-Markt im Umbruch

Der PC-Markt verändert sich. Und für die Hersteller sind die Veränderungen nicht die reine Freude. Einige Überlegungen zu den aktuellen Entwicklungen.

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Andreas Raum

Mittwoch, 24. Feb. 2016

Es ist keine gute Zeit für PC-Hersteller.

Begleitet ist der Jahresauftakt von Hiobsbotschaften derselben Marktforscher, die vor etwas mehr als einem Jahr verkündet hatten, dass sich der PC-Markt erholt. Auf dieses Signal hin – vielleicht aber auch völlig unabhängig von ihm – hatten mehrere Hersteller Forecast und Produktion erhöht und trotz ungünstiger Dollarkurse einen einjährigen Preiskampf geführt.

„Der PC-Markt ist nicht mehr der Gradmesser, ob es unserer Branche gut geht“, hat neulich mein Channelcast Kollege Christian Meyer gesagt. Gerade haben wir den geplanten Zusammenschluss der PC-Abteilungen von Fujitsu (der Konzern lagert die Unit gerade in ein eigenes Unternehmen aus), Sony (das Geschäft mit der Marke Vaio gehört seit vergangenem Jahr einem japanischen Investor) und Toshiba (der Hersteller hatte jüngst sein Consumergeschäft eingestellt) besprochen. „Ein neuer PC-Riese formiert sich“ hat mein anderer Channelcast Kollege Markus Reuter hier getitelt.

Den Zusammenschluss sehe ich wohl, den PC-Riesen vermag ich nicht zu erkennen.

Die These, dass der PC-Markt nicht mehr der Gradmesser für den Gesundheitszustand unserer Branche ist, halte ich für richtig.

Dass das PC-Geschäft generell uninteressant wird oder dass sich die Ära des PC ihrem Ende entgegen neigt, teile ich keinesfalls.

Ein starker Trend, der heute pauschal mit „Cloud Computing“ oder „Digitale Transformation“ überschrieben wird, ist Arbeitsplatz-Virtualisierung. Anwendungen und Betriebssystem kommen vom Server und werden auf den unterschiedlichen Devices der Mitarbeiter ausgeliefert: Desktop PC, Notebook, Tablet oder 2-in-1, Smartphone. Eine breite Range neuer Devices sind im Entstehen: Ist der PC im Desktop ein Primärgerät, wird er zum Beispiel im Kassensystem zum Secundärdevice. PC-Technologie sickert in immer mehr Geräte. Von der Uhr bis zum Auto, von der Litfaßsäule bis zur Industrieanlage.

Am Arbeitsplatz wird der PC als Primärdevice noch lange Zeit eine wichtige Rolle spielen. Meine These ist, dass diese tendenziell wichtiger werden wird, weil Anwender angefangen haben, in ihren Arbeitsgeräten mehr als nur eine graue Kiste zu sehen. Und immer höhere Ansprüche an diese zu stellen.

Egal ob Arbeitsplatzgeräte oder PCs eingebettet in andere Geräte, eine differenziertere Betrachtung des Hardwaregeschäfts tut not. Im Interview mit der IT-Business (Ausgabe 22-2015) hat der von mir sehr geschätzte Stefan Tiefenthal (Head of Commercial BU bei Acer) gesagt: „Mein Thema heißt Lösungen. Das hat für Acer weltweit aber auch in Deutschland größte Wichtigkeit“. Und er begründet: „Nützliche und clevere Lösungen sorgen für höhere Nachfrage nach Hardware. ... Am Ende muss die Hardware Bestandteil einer Lösung sein, die einem Unternehmenskunden ein Geschäftsproblem löst“.

Und genau so sehe ich das auch. Dass dieser Ansatz heute nicht im Mittelpunkt des Denkens der PC-Hersteller steht, steht außer Zweifel. Dass das nicht eben günstig dafür ist, das Geschäft zukunftssicher zu machen, ebenfalls. Und ganz sicher wird uns das Thema künftig noch häufiger beschäftigen.