Wenig Systemhauspräsenz auf der Hannover Messe

Während internationale Einkäufer bereits mit sehr konkreten Anfragen für IoT-Projekte und andere IT-basierte Industrielösungen an die Stände kamen, war das deutsche Interesse diffus und überhaupt „eher so mittel“, berichten Aussteller. Offenbar verstellt die aktuell gute Konjunktur den Blick für nötige Entwicklungsschritte und künftige Geschäftsinhalte. Auch bei IT-Spezialisten, denen Digitalisierung gleich doppelt am Herzen liegen sollte.

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Andrea van Baal

Dienstag, 22. Mai 2018

Sind die Auftragsbücher voll, fällt die Beschäftigung mit der Zukunft des eigenen Geschäfts hintenüber. Anders ist kaum zu erklären, warum deutsche Systemhausbetreiber während der weltweit bedeutendsten Industriemesse vorwiegend mit einem glänzten – ihrer Abwesenheit. Dabei hätte es in Hannover reichlich Anregung gegeben. Allem voran höchst handfeste Beispiele für gelungene IoT Integration, das Zusammenspiel von „Big Data Analytics“, für selbstlernende Algorithmen und Systemen in verschiedensten Branchen, den Praxiseinsatz von KI, Robotics, Mixed Reality u.v.m. Sie hätten miterlebt, wie intensiv das Interesse kommerzieller Endkunden aus dem Ausland an „Smart“ vernetzten Lösungen für alles zwischen Aufzügen und (3D-gedruckten) Zahnrädern ist. Die zugrunde liegende moderne IT hätten sie erkunden, in Aktion erleben und sich davon inspirieren lassen können. Oder von den Partnernetzwerken und Ökosystemen, die den digitalen Wandel weiter vorantreiben.

Keine Zeit für Selbstzufriedenheit

„IoT trifft Realität“ hatten die VDI Nachrichten zur Hannover Messe getitelt und „Goldgräberstimmung im Internet der Dinge“ konstatiert. Letztere gibt es ganz offenkundig, doch im traditionellen Channel hierzulande ist davon noch nicht allzu viel zu sehen. Fast hat es den Anschein, als würden viele Systemhäuser die Geschwindigkeit des digitalen Wandels ebenso unterschätzen wie die (mittelfristig) disruptiven Auswirkungen. Solche Fehleinschätzungen in die Kundschaft hinein zu tragen, könnte jedoch fatal sein.

Die spannendere Frage ist ohnehin, wie lange Unternehmen hierzulande noch glauben werden, dass simple IT-Modernisierung und ein paar nachgerüstete Sensoren für die Sicherung ihrer zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit ausreichen. „Die gute Konjunktur führt leicht zu Trägheit“, mahnt die gerade erschiene Studie zum Strukturwandel deutscher Branchen von Roland Berger. „Dabei sollten Unternehmen in guten Zeiten ihre Geschäftsmodelle hinterfragen.“ Diese Einsicht ist zwar nicht gerade neu, gerät im Lauf der langen (Handels-, Wirtschafts- und Industrie-) Geschichte aber immer wieder mal in Vergessenheit. Für die traditionelle Systemhausszene und ihre Kunden jedenfalls wäre jetzt der passende Moment, sich an eine alte Volksmundweisheit zu erinnern und daran zu halten: „Sorge in der Zeit, dann hast Du in der Not!“

Bildquelle(n): Andrea van Baal /