Zu Daten drängt’s, an Daten hängt’s

Zäh ist sie, die so genannte Transformation. Wer am Rande von Veranstaltungen mit Kundenbeteiligung genauer hinhört, merkt schnell, dass die Euphorie bei der Aussicht auf digitale Geschäftsmodelle deutlich nachgelassen hat. „Schnelle, pragmatische Hilfe ist weder von den Horden selbsternannter Change-Spezialisten zu erwarten, noch aus den Innovation Labs, Cloud- und Okösystemen, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen“, beklagte sich neulich ein Fabrikbesitzer aus dem schönen Sauerland. 

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Andrea van Baal

Dienstag, 04. Juli 2017

Zwar hat niemand versprochen, dass Schlagworte wie Industrie 4.0 quasi per Lösungsimplementierung und Knopfdruck zu ertragreicher Wirklichkeit werden. Dem Glauben, die Technik werde es schon richten, hängen dennoch viele Entscheider an. Dass die eigenen Strukturen und Arbeitsweisen echtem Wandel und Innovation im Wege stehen können, ist eine Einsicht, deren flächendeckende Verbreitung noch bevorsteht. Dasselbe gilt für die Erkenntnis, dass die angestrebten, datengetriebenen Geschäftsmodelle und -Prozesse als Grundlage Daten brauchen, die von guter Qualität, konsistent und authentisch bis fälschungssicher sind.

Die Datenhaltung und -Pflege war in der Vergangenheit vielerorts ein echtes Sparthema. Das erweist sich beim Übergang zur Digitalisierung nun als Bumerang. Kopfschmerzpotenzial birgt auch die Tatsache, dass ein großer Teil der deutschen Unternehmen seine Hausaufgaben bisher noch nicht einmal in den Bereichen gemacht hat, die gesetzlich vorgeschrieben sind – und die mit der „neuen“ Digitalisierung und Innovationen nur mittelbar zu tun haben. So gibt etwa der Hälfte der Unternehmen in verschiedenen Studien an, dass sie keine revisionssichere Archivierung gemäß GoBD (kurz für Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff) haben.

Noch größer ist der Unterschied zwischen Soll und Ist beim Datenschutz. Mit den Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU DSVGO) haben sich 20 Prozent der Unternehmen bisher noch gar nicht auseinandergesetzt. Das berichtete Anfang Juni der Branchenverband Bitkom. Immerhin 34 Prozent seinen inzwischen dabei, sich auf die bereits geltenden EU-Richtlinien einzustellen.

Fakt ist: Wer nicht zu diesem guten Drittel gehört, dem läuft langsam die Zeit davon: Mit Ende der Übergangsfrist im Mai 2018 müssen Unternehmen den Umgang mit personenbezogenen Daten offenlegen und auf Verlangen die Daten ihrer Kunden, Lieferanten, Hersteller etc. herausgeben -- und das in einem gängigen Digitalformat. Wer das nicht kann oder will, riskiert Bestrafung. Und je nach Schwere eines Verstoßes gegen DSVGO-Vorgaben können Bußgelder bis zu 20 Millionen Euro beziehungsweise vier Prozent des Jahresgesamtumsatzes erhoben werden.

Auch deshalb sind Trusted Data, Datenschutz, -Sicherheit und -Souveränität derzeit wieder ein Riesenthema – für die Unternehmen selbst, Standardisierungstreiber wie der Industrial Data Space e.V. und nicht zuletzt für die Systemhäuser und Cloud-Provider, die ihren Kunden geschützte, virtuelle Datenräume anbieten, die Rechtssicherheit und volle Kontrolle versprechen.

Aber sein wir mal ehrlich, langsamer Fortschritt ist allemal besser als Stillstand. Oder?

Bildquelle(n): Andrea van Baal /